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Die gelehrten Frauen
(Les femmes savantes)
Komödie in fünf Akten von Jean-Baptiste Molière
Plakat Fotos
Besetzung
Chrysale, ein wohlhabender Bürger Hannes Stephan
Philaminte, seine Frau Edeltraud Wiesinger
Armande, deren Tochter Katharina Hauer
Henriette, deren Tochter Verena Grossmayer
Ariste, Chrysales Bruder Christian Dohlhofer
Belise, seine Schwester Martina Lebersorger
Clitandre, Henriettes Verehrer Peter Taraba
Trissotin, ein Schöngeist Rainer Hawlicek
Vadius, ein Gelehrter Robert Veit
Martine, Köchin bei Chrysale Michaela Horvath
L’Epine, Diener bei Chrysale Hans Leidenmühler
Julien, Diener bei Vadius Franz Gotsmy
Notar Gerhart Ernstbrunner
Regie und Inszenierung Susanne Grossmayer
Bühnenbild Godehard Schwarz
Beleuchtung und Technik Gregor Zatschkowitsch
Kostüme Fundus der Bundestheater

Ort und Zeit: Paris, im Hause des Chrysale, Mitte des 17. Jahrhunderts


Er war einer der originellsten Dramatiker, die je die Welt auf dem Theater dargestellt haben:
Jean-Baptiste Poquelin, genannt „Molière“
15. Jänner 1622, Paris – 17. Februar 1673 Paris

Als ältester Sohn eines Tapezierers am französischen Königshof trat er mit 14 Jahren in das Jesuitenkollegium von Clermont ein, wurde anschließend Hofbeamter und – nachdem er 1642 mit einer Schauspieltruppe in Verbindung getreten war – Berufsschauspieler. Schon ein Jahr später wurde er zum Mitbegründer des „Illustre Théâtre“, dem Vorläufer der späteren „Comédie Française“. Nach langjährigen Wanderfahrten, v.a. in Südfrankreich, konnte sich die Truppe schließlich 1658 in Paris niederlassen, wo Molière den besonderen Schutz König Ludwig XIV genoss und wo ihm 1660 das „Théâtre du Palais Royal“ übertragen wurde. Hier entstanden die wichtigsten seiner Werke. Er starb im Alter von 51 Jahren noch im Kostüm der Titelfigur des „Eingebildeten Kranken“ unmittelbar nach der 4. Aufführung.

Molières Werke, von denen 32 erhalten sind, repräsentieren mit den Tragödien Corneilles und Racines das klassische französische Theater. Er wurde zum Schöpfer der französischen Komödienkunst und zum Begründer der neueren Charakterkomödie. Er interessierte sich besonders für die allzu menschlichen negativen Haupteigenschaften seiner Zeitgenossen und bezeichnete als Ziel seiner Kunst, „sich mit den lächerlichen Zügen der Menschheit zu befassen und die Gebrechen, die alle Welt hat, auf dem Theater angenehm zu machen“ – unbarmherzig rückte er den Lastern seiner Zeit zu Leibe: Heuchelei, Lüge, Geiz, Dummheit, Scharlatanerie, Schöngeisterei, Erbschleicherei, Parvenutum u.a.

Seine Werke wirken wahrscheinlich deshalb so lebendig, weil sie aus der unmittelbaren Theaterpraxis entstanden – er war Dramatiker, Schauspieler und Regisseur und Personalunion und eine souveräne und erfolgreiche Gestalt der Theatergeschichte. Ihm wurde die Welt zur Bühne, auf der der Mensch mit seinen tragikomisch-lächerlichen Eigenschaften zu heiter-ernster – und mitunter erschreckender – Selbsterkenntnis geführt wird.

Die gelehrten Frauen
(Uhraufführung 11.3.1672, Paris, Théâtre du Palais Royal)

Der heuchlerische Mitgiftjäger Trissotin hat es geschafft, sich durch schwülstige Gedichte und vorgetäuschte Gefühle die Zuneigung von Philaminte zu erwerben, die den Dichter mit ihrer Tochter Henriette verheiraten will. Die schöngeistigen, allzu verstiegenen Damen Philaminte, Belise und Armande gehören zur Gruppe der „gelehrten Frauen“ im Hause des Chrysale, die Trissotin zu ihren Idol erhoben haben. Die Gruppe der „Vernünftigen“, die auf dem Boden der Realität geblieben sein, bilden Henriette, ihr Vater Chrysale und Ariste sowie die Köchin Martine, die aufgrund grammatikalischer Verstöße von Philaminte des Hauses verwiesen wird.

Zum offenen Konflikt kommt es, als Henriette ihren Verehrer Clitandre heiraten möchte. Ihre Ehepläne werden von den „Vernünftigen“ gutgeheißen, von den „Gelehrten“ jedoch abgelehnt, eifrig geschürt von Armande, die hofft, ihren früheren Geliebten wieder für sich gewinnen zu können. Der biedere Pantoffelheld Chrysale, der lieber eine Köchin als eine Intellektuelle zur Frau hätte, kann sich gegen seine energische Gattin nicht durchsetzen, das Bündnis zwischen ihrer Tochter und Trissotin schein besiegelt.

Ariste greift schließlich zu einer Notlüge: Vor dem Notar, der bereits bestellt wurde, um den Ehekontrakt auszufertigen, präsentiert er zwei fingierte Briefe, die den finanziellen Ruin der Familie belegen. Trissotin zieht daraufhin seine Bewerbung mit der Begründung zurück, dass Henriette ihn nicht liebe. Nachdem Philaminte eingesehen hat, dass es sich bei dem selbsternannten Schöngeist bloß um einen egozentrischen Heuchler handelt, der es nur auf das Geld des Hauses abgesehen hatte, steht Henriettes und Clitandres Glück nichts mehr im Wege.

Molière behandelt ein aktuelles Problem seiner Zeit: Die Vorliebe zu den Wissenschaften hatte damals die Leute von Welt erfasst; wissenschaftliche Zeitschriften, Vorträge, Privatschulen, Bibliotheken, Physiklaboratorien und Observatorien und den Häusern der Reichen vermehrten sich zusehends, Die Frauen begannen sich über die herrschende Ansicht zu ärgern, sie hätten nur „schön und fruchtbar“ zu sein, und die hatten genug Verstand, um zu erkennen, dass nur ein guter Unterricht sie aus ihrer Lage befreien könnte, Die Frauen wueden also gelehrt und betraten ernsthafte Gebiete der Wissenschaft und Kunst. Neben echten Philosophen und Gelehrten schwirrten natürlich auch viele Schöngeister um sie herum.

Molière bringt in den „Gelehrten Frauen“ deutlich zum Ausdruck, wie er sich die Bildung der Frauen denkt: Anstand und Bescheidenheit, die Forderung der gebildeten Welt an den Mann, verlangt er in gleichem Maß auch von der Frau, d.h. sie muss es verstehen, „die Dinge zu verschweigen, die sich weiß“. Eine solche Diskretion ist die Hauptregel der Gesellschaft des 17. Jahrhunderts.

Falsche Eitelkeit hingegen störe die Beziehung zwischen Mann und Frau, zerrütte die Ordnung der Familie und zerstöre das Gleichgewicht zwischen Körper und Seele. So wendet sich Molière als Anwalt einer gesunden, vernünftigen Bodenständigkeit nicht gegen ehrliche Gelehrsamkeit und Bildung, sondern gegen den Unfug eitler, selbstgefälliger Schöngeisterei. Alles unechte Getue in Dichtung und Philosophie ist ihm zuwider.

Nebenbei benutzte Molière die Gelegenheit, alte Rechnungen zu begleichen. Für die Zeitgenossen war Trissotin – auf Deutsch „dreifacher Dummkopf“ – eindeutig der Abbé Cotin gemeint, ein Mitglied der Akademie, beliebter Prediger und Salonliterat, der sich einige Male mit Molière angelegt hatte. Er schrieb „galante Werke“, aus denen Molière wörtlich das Sonette an die Prinzessin Uranie und das Madrigal auf eine goldene Karosse in sein Lustspiel übernahm. In Trissotin kritisiert er alle diejenigen, für die Literatur nur ein schöngeistiges Spiel und ein Mittel zur Karriere ist.



(c) 2013